Meldung:

  • 02. Juli 2009
Medien-Info BÜRGER GEGEN FLUGLÄRM vom 28.06.2009

Auch SPD-Landtagsabgeordnete haben Zweifel an Lärmberechnungen


Bodo Wissen fragte: „Warum gibt es das versprochene, neue Luftverkehrskonzept immer noch nicht? Fällt der Landesregierung nichts ein oder fürchtet sie die Wähler? Wir sind dafür, die sechs NRW-Flughäfen gleichberechtigt zu behandeln. An allen Standorten gilt: bis auf die Frachtflüge in Köln/ Bonn, sollte überall eine strikte Nachtruhe eingehalten werden. Der Anwohnerschutz muss zumindest gleichberechtigt gegenüber den Wirtschaftsbelangen stehen. Selbstverständlich setzen wir uns dafür ein, dass die Betriebszeiten streng eingehalten werden.“

Georg Regniet (BgF) erläuterte, dass er für seine Analysen ausschließlich Daten verwende, die der Flughafen selbst veröffentlicht habe, so z.B. im Internet oder in den Bahnnachweisen. Die Zahlen der BÜRGER GEGEN FLUGLÄRM seien daher immer um 1-2% niedriger als die der Behörde, da Ambulanz- Militär- und Frachtflüge nicht offiziell bekannt gemacht würden. Die Behörde sei nur wesentlich langsamer und werte unangenehme Dinge nicht konsequent aus. „Nun beginnt der Flughafen aber auch dort mit der Schummelei, so wurde vor einigen Tagen ein nach Angaben der Bezirksregierung nach 24:00 Uhr gelandetes Flugzeug vom Flughafen um 23:58 Uhr angezeigt, nur damit es nicht in die Kategorie nach Mitternacht fällt. Auch häufen sich Beschwerden über unzulässig durchgeführte Starts kurz vor 6.00 Uhr.“

Peter Weckmann sprach speziell die Situation in Essen und Ratingen an: „ Wenn in Kettwig die Messungen des Flughafens beweisen, dass rd. 40% aller Flüge über 70 dB(A) liegen, dann wird auch dem Laien klar, dass diese 40% von rd. 40 Nachtflügen – und oft sind es sogar mehr – rd. 16 mal Lärm über 70 dB(A) in der Nacht erzeugen. Die Landesregierung hat ein Nachtschutzgebiet von 8 x 71 dB(A) festgelegt. Legt man dies zugrunde, obwohl z.B. in Münster mit 6 x 70 dB(A) weniger Flüge und ein geringerer Schallpegel ausreichen, so wird deutlich, dass die Kettwiger einen An-spruch an Schallschutzfenster für Schlafräume haben. Jeder der einen Anspruch auf Lärmschutz hat, sollte einen Antrag an den Flughafen stellen. Von Verkehrsminister Lutz Lienenkämper (CDU) muss verlangt werden, die Genehmigung auch korrekt umzusetzen. Dazu gehört auch eine deutliche Verringerung der „ausnahmsweisen“ Verspätungen, die Situation ist unzumutbar.“

Monika Moll und Jürgen Weichelt (BgF) erläuterten die Fehler der Lärmberechnun-gen und forderten erneut eine sorgfältig kontrollierte Neuberechnung der Zonen.
„Wenn der Flughafen selbst misst und auswertet und obendrein auch noch die Daten
für die rein theoretischen und offenkundig deswegen falschen Berechnungen liefert, ohne dass irgendjemand in der Genehmigungsbehörde diese kontrolliert, dann muss man sich nicht wundern, wenn alles nicht einmal scheinbar zueinander passt.“

Christoph Lange, der Vorsitzende der BÜRGER GEGEN FLUGLÄRM, ergänzt:
„Wie schon bei der CO-Pipeline versucht die Landesregierung, die selbstver-ursachten Probleme zu vertuschen, sich irgendwie über die Zeit zu retten. Dass der Flughafen darauf hofft, dass den Fluglärmgegnern die Luft ausgeht, ist klar, deshalb werden ja nun schon Anträge von Betroffenen, die in den Schutzzonen wohnen, also lt. Genehmigung „unwiderruflich“ Anspruch auf Schallschutz haben, abgelehnt. Dass die Landesregierung diese unrealistischen Hoffnungen, wir würden jemals locker-lassen, vom Flughafen blind kopiert und z.B. die dringend notwendige Debatte über ein NRW-Luftverkehrskonzept, das eingebettet sein muss in ein nachhaltiges Gesamtverkehrskonzept, auf die Zeit nach der Landtagswahl vertagt, das ist ein Offenbarungseid. Die Genehmigung wird zu großen Teilen für Kurzstreckenflüge nach Frankfurt, Hamburg und 21 tägliche Flüge nach München genutzt. Kein Wunder, dass kaum ICE´s am Fernbahnhof halten, wozu auch? Hier wird keine Politik für die Bürger gemacht, und wie versprochen „besser geworden“ ist es auch nirgendwo. Herr Rüttgers träumt weiter von seinen „Jobmaschinchen“ Flughafen, die enormen Gesundheitsrisiken und -kosten des Fluglärms und der Abertausende von Tonnen Abgase werden einfach geleugnet. Es ist ein riskantes Spiel, die Wähler für dumm zu verkaufen und ihre Gesundheit leichtfertig zu gefährden. Nachtflüge in Düsseldorf schaden allen, auch Passagieren und Mitarbeitern. Selbst der Flughafen stöhnt, weil er die Infrastruktur für einige Maschinen bis zu 2 Stunden länger bereit-stellen muss. Was spricht gegen mindestens verdoppelte Gebühren für Landungen nach 23:00 Uhr und Starts nach 22:00 Uhr?“

Quelle: www.buergergegenfluglaerm.de