Pressespiegel:

  • 19. Dezember 2008
Pressespiegel, WAZ Essen vom 9.12.2008:

Neustart mit 56


Der langjährige SPD-Geschäftsführer Peter Weckmann zieht zum Jahreswechsel unverhofft als Nachrücker in den Landtag ein. Das erste Mandat als Berufspolitiker bedeutet für ihn eine gewaltige Umstellung.

Die Chefin bleibt dieselbe. Allerdings begegnet man sich künftig auf Augenhöhe. Na ja, zumindest in ganz neuer Rollenverteilung. 20 Jahre lang war Peter Weckmann Geschäftsführer des SPD-Unterbezirks Essen, einer der wichtigsten Stadtgliederungen der Partei in NRW. Seine Vorgesetzte war zuletzt die Landesvorsitzende Hannelore Kraft. Ab dem 1. Januar 2009 wird sie es wieder sein. Denn Weckmann zieht dann unverhofft als Nachrücker in den Landtag ein. Er wird der Fraktion angehören, die Kraft als Oppositionsführerin lenkt.

Trotz der personellen Kontinuität fühlt es sich anders an für Peter Weckmann, der erstmals mit dem freien Mandat eines Berufspolitikers ausgestattet sein wird. Es ist ein Neustart mit 56 Jahren. Vermutlich hat der Diplom-Pädagoge selbst nicht mehr damit gerechnet, dass er eineinhalb Jahre vor Ablauf der Legislaturperiode noch einmal einen Sitz im Düsseldorfer Parlament erlangen wird. Möglich macht es der Abgang des früheren NRW-Ministers Harald Schartau in die Wirtschaft.

"Ich sehe das gelassen, denn ich bin ja kein politischer Anfänger", sagt Weckmann, der zurzeit Resturlaub nimmt, bevor das neue Leben beginnt. Weckmann, der aus Gelsenkirchen stammt und inzwischen in Frillendorf wohnt, hatte 2005 vergeblich um den Essener Südwahlkreis gekämpft. Nach beruflichen Erfahrungen in der Kinder- und Jugendbildung und den Jahren als Parteiangestellter in der Severinstraße, der Essener SPD-Zentrale, strebte er nach politischer Gestaltungsmacht. Nun fällt sie ihm in einem Moment zu, in dem kaum mehr einer damit gerechnet hat.

Was macht man als Neuling mit einer Legislatur auf der Zielgeraden? Weckmann, der einst seine Diplomarbeit über Stadtteilkulturarbeit geschrieben hat, würde sich gerne im Kulturausschuss einbringen. "Obwohl wir Kulturhauptstadt werden, ist dort kein Abgeordneter des Ruhrgebiets vertreten", sagt er.

Weckmann, seit 1970 SPD-Mitglied, vermittelt nicht den Eindruck, als ob er das Mandat als Krönung seiner politischen Laufbahn begreift. Eher als Bewährungsprobe. Er will die kommenden eineinhalb Jahre nutzen, um sich für eine erneute Wahlkreis-Kandidatur 2010 zu empfehlen.

Der Parteigeschäftsführer Weckmann wird künftig durch seinen Mülheimer Kollegen ersetzt, der beide Unterbezirke parallel betreut. Die SPD muss sparen. Weckmann glaubt, dass er sich in Düsseldorf schnell einleben werde. Den Kontakt zum Wahlkreis habe er ja nie verloren, und als alter Betriebsrat kenne er viele Genossen. Das große, handsignierte Willy-Brandt-Poster, das bislang sein Essener Büro zierte, will er als Beistand mitnehmen. Man weiß ja nie.

(WAZ Essen vom 9. Dezember 2008)