Wahlkreis 68 - Essen IV

Der Südwahlkreis - Zahlen und Fakten


Der wunderschöne Südwahlkreis 68 (Essen IV) umfasst 16 Stadtteile in drei Stadtbezirken:

Stadtbezirk II
  • Bergerhausen
  • Rellinghausen
  • Rüttenscheid
  • Stadtwald

    Stadtbezirk VIII
  • Burgaltendorf
  • Byfang
  • Heisingen
  • Kupferdreh
  • Überruhr-Hinsel
  • Überruhr-Holthausen

    Stadtbezirk IX
  • Bredeney
  • Fischlaken
  • Heidhausen
  • Kettwig
  • Schuir
  • Werden



    Hier ein paar Informationen zu den einzelnen Stadtteilen:


    Bergerhausen

    Die Ruhrallee ist oft das Erste, was einem einfällt, wenn man an Bergerhausen denkt. Sie zerschneidet den Stadtteil, ist seit Jahrzehnten eine der wichtigsten Verkehrsadern und gleichzeitig sein größtes Problem. Seit vielen Jahren engagieren sich die Bürgerinnen und Bürger, um der Lage Herr zu werden. Ein Tunnel soll das Problem lösen, doch wann der kommt, ist fraglich. Zumindest scheint er nicht in absolut weiter Ferne. Dennoch werden noch einige Jahre ins Land gehen, bis die Bergerhauser entspannt aufatmen können.

    Doch Bergerhausen ist mehr. Die Veränderungen sind nicht zu übersehen. Große Unternehmen haben sich hier niedergelassen. Hier setzt man auf zukunftsträchtige Geschäftsfelder und schaut optimistisch Richtung Zukunft.

    Abseits der Ruhrallee finden sich viele ruhige Wohnstraßen, in denen es sich gut leben lässt. Mit Walpurgis- und Siepental haben die Bergerhauser Rückzugsräume für die Entspannung zwischendurch. Ein gewachsenes Zentrum gibt es indes nicht. Aber dank des Engagements der Bürgerinnen und Bürger gibt es seit Jahren einen Freitagsmarkt rund um die Johanneskirche.


    Bredeney

    Der Stadtteil, in dem heute ca. 11.000 Menschen leben, wurde 1915 nach Essen eingemeindet. Gut erhalten ist heute noch das alte Rathaus aus dem Jahre 1901, in dem heute eine Schule für Arbeits- und Bewegungstherapie untergebracht ist.

    Bredeney steht auch heute noch für Reichtum. Hier finden sich zahlreiche prachtvolle Villen – manche noch aus der Gründerzeit. Ein einfaches Einfamilienhaus ist nicht unter 400.000 Euro zu bekommen, und für manche Grundstücke reicht nicht einmal ein Lottogewinn aus.

    Aber Bredeney ist sicherlich mehr als nur der „Villenvorort“. Das wohl bekannteste Wahrzeichen Bredeneys dürfte sicherlich die Villa Hügel sein – der einstige Sitz der Krupp-Dynastie. Hier sind bereits berühmte Persönlichkeiten und Staatsoberhäupter abgestiegen. Heute veranstaltet die Stiftung hier Kunstausstellungen von hohem Rang, und in dem prachtvollen Garten genießen Spaziergänger die Ruhe. Sogar ein eigenen Bahnhof hatte die Villa, heute hält dort die S-Bahn.

    Nicht zu vergessen ist aber auch der Baldeneysee, der sich am Fuß der Villa ausbreitet. Weit über die Stadtgrenzen hinaus gilt der Stausee als das Erholungs- und Sportmekka in der Ruhrmetropole.

    Die Bredeneyer zeigen viel Initiative und spenden gerne, wenn es um ihren Stadtteil geht. So wurde die kleine Schlosskapelle am Fuße der Ruhrwälder von Lions-Freunden wieder aufgebaut. Auch das Wildgatter wurde durch reichliche Spenden am Leben erhalten und den Tieren damit das Leben geschenkt. Das Goethe-Gymnasium konnte Dank Spenden den Turm renovieren und erhalten, neue Räume für die Naturwissenschaften konnten durch Spenden eingerichtet werden.

    Ab dem Bredeneyer Kreuz wird der Stadtteil in Richtung Rüttenscheid lebhafter. Hier befindet sich das eigentliche Zentrum mit den Geschäften. Hier fließt der Verkehr über die Alfred- und die Frankenstraße. Doch auch hier lässt es sich gut leben, und gerne genießen die Bredeneyer das Kneipenviertel im nahgelegenden Rüttenscheid.


    Burgaltendorf

    Wenn man Essener fragt, was ihnen zum Stadtteil Burgaltendorf einfällt, dann wird es mit Sicherheit die Burgruine sein, die den Stadtteil heute prägt. Aber Burgaltendorf ist mehr. Da sind alte Höfe, schmucke Einfamilienhäuser und ganz viel Natur.

    Die Burg Altendorf wurde um 1166 erstmals erwähnt. Einige Jahre später, um ca. 1180, wurde um die Burg die erste Wohnbebauung errichtet. 1970 wurde Altendorf Ruhr gegen den Protest der Einwohner nach Essen eingemeindet. Es dauerte lange, bis sich die Bevölkerung damit arrangiert hatte.

    Ein kleines Dorf ist der Stadtteil wirklich. Es gibt eine Hauptstraße an der alle wichtigen Einzelhandelsgeschäfte zu finden sind. Manche von ihnen sind schon seit über 100 Jahren hier ansässig und sind immer noch in Familienbesitz. Überhaupt wird der Dorfcharakter groß geschrieben. Die Einwohner kennen sich beim Namen, das Vereinsleben ist rege, und für den Brandschutz sorgt die freiwillige Feuerwehr.

    Das Dorf selber teilt sich in Ober- und Unterdorf. Die Mitte bildet die katholische Kirche, die aus Ruhrsandstein im romanischen Stil erbaut wurde. Ohnehin gibt es in Burgaltendorf zahlreiche Häuser, die mit Ruhrsandstein gebaut wurden, denn früher gab es hier einmal zehn Steinbrüche.

    Heute ist Burgaltendorf die klassische Wohnstadt. Die Menschen leben im Dorf und arbeiten auswärts. Burgaltendorf liegt zentral. Schnell ist man in den Nachbarstädten Bochum und Hattingen. Und dennoch hat Burgaltendorf in den letzten 10 Jahren rund 1000 Einwohner verloren.

    Eventuell sollen 670 neue Wohneinheiten für 1870 neue Bürger entstehen. Die Burgaltendorfer sehen das nicht gerne, schließlich leben sie hier, weil es ruhig und idyllisch ist und sie nicht wollen, dass das Grün nach und nach verschwindet.


    Byfang

    Weite Täler, sanfte Hügel und schöne Aussichten, das ist wohl das Erste, was einem einfällt, wenn man an den am dünnsten besiedelten Stadtteil von Essen denkt. Und eigentlich sieht es hier auch ganz untypisch für Essen aus. Doch Byfang hat weit mehr zu bieten. Sogar ein weltweites Unikum: Die Taubenklinik, die in einem der typischen Gebäude aus Bruchstein untergebracht ist. Bis 1965 diente das Gebäude dem Stadtteil als Volksschule. Seit 1972 werden hier Tauben aus der ganzen Welt behandelt.

    In Byfang haben rund 2000 Menschen ihr Zuhause. Wahrscheinlich weit weniger als Tiere, die man hier an jeder Ecke sieht. Ein Dorf inmitten der Großstadt. Im Zentrum findet sich die Kirche, die zu den schönsten Gotteshäusern in Essen gehört. Fast wie in der Bretagne sieht es hier aus.

    Menschen sieht man wenige. Dafür einen gepflegten Stadtteil, große Grundstücke und schöne Häuser. Hier ist es einfach nur schön. Da ist es auch nicht weiter schlimm, dass es für den täglichen Einkauf ein paar Meter weiter sind, als anderswo in der Stadt.


    Fischlaken

    Der Ort, der seinen Namen durch die von der Werdener Abtei vergebenen Fischereirechte bekommen hat, gehört mit zu den schönsten in Essen. Hier vergisst man schnell, dass man sich in einer Großstadt befindet. Eher hat der Stadtteil etwas von Urlaub.

    Das 1929 nach Essen eingemeindete Dorf ist eines der ältesten Dörfer an der Ruhr. 796 überließ Theganbald den Alfgatinghove dem Werdener Klostergründer Liudger.

    Von der oberhalb der Fischlaker Höfe gelegenen Anhöhe Am Hohen Kreuz, empfiehlt es sich, einen Moment inne zu halten. Von hier hat man einen malerischen Blick über das grüne Umland.

    Es lebt sich ruhig und gelassen in Fischlaken. Heute ist es eine der teuersten und begehrtesten Wohnlagen. Nur noch erahnen lässt sich, dass auch hier das schwarze Gold zu Tage gefördert wurde. Eine der ältesten Förderanlagen war die Zeche Richrath. Von 1578 bis 1910 wurde hier Kohle gefördert. Übrig geblieben sind heute nur noch ein Betriebsführerhaus und der Eingang zum ehemaligen Stollen. Mit Pörtingssiepen wurde die letzte Zeche 1973 stillgelegt, die Gebäude abgerissen und der Förderturm 1982 gesprengt.

    Bei aller Beschaulichkeit geht es aber auch gesellig zu. Fischlaken hat mit den Fischlaker Narren seinen eigenen Karnevalsverein, der Jahr für Jahr das volle Programm der fünften Jahreszeit absolviert.

    Noch nicht einmal die Hälfte Fischlakens ist besiedelt. Der Rest ist grün. Fischlaken, das sind der Baldeneysee, Haus Scheppen, die Fischlaker Höfe und zufriedene Menschen. Kurz gesagt: Fischlaken ist von einer bestechenden Schönheit.


    Heidhausen

    Hier zeigt sich das Ruhrgebiet von seiner grünen Seite und Essen mit 202,50 Meter von seiner höchsten. Heidhausen, das ist Entspannung und Natur pur.

    Mit 6900 Einwohnern zählt Heidhausen zu den kleineren Stadtteilen. Aber kein anderer Stadtteil hat eine so hohe Klinikdichte. Gleich vier Kliniken sind hier zu Hause.

    Vor gut 100 Jahren wurde hier die Ruhrlandklinik errichtet, die heute rund 15.000 Patienten jährlich behandelt. Damals wie heute zeichnet sich die Klinik durch die abgeschiedene Lage und die gute Luft inmitten des Ruhrgebietes aus. Heute genießt die Lungenfachklinik einen ausgezeichneten internationalen Ruf.

    1899 gründeten die Kamillianer neben der neugotischen Kirche St. Kamillus eine „Heilstätte für Trunksüchtige“, die erste ihrer Art im gesamten Land. Seit 1977 darf sich das Kamillus-Haus Fachklinik nennen. Die Patienten kommen heute aus allen Teilen der Republik.

    In der „Fähre“ wird Alkohol-, Drogen-, Medikamenten- und Glückspielabhängigen geholfen, dem Teufelskreis ihrer Sucht zu entkommen. 36 Betten gibt es in der Klinik, 16 weitere stehen für betreutes Wohnen zur Verfügung.

    Mit einer Außenstelle für psychisch Kranke an der Barkhovenallee komplettiert die Rheinische Landesklinik das Klinikquartett.

    Heidhausen ist daneben Sitz des Stifterverbandes für die deutsche Wirtschaft, die mit beachtlichen Summen aus Spenden- und Stiftungsgeldern Wissenschaft und Forschung im ganzen Land fördert.

    Das Rathaus der ehemalig selbstständigen Bürgermeisterei aus dem Jahr 1910 bildet den architektonische Höhepunkt Heidhausens. Von Efeu umrankt ist es ein Blickfang für jeden Besucher.

    Heidhausen hat sich inmitten der Großstadthektik sein einzigartiges Wesen bewahrt. Wer Entspannung sucht, ist in Heidhausen genau richtig. Hier vergisst man schnell, dass man sich in einer der am dichtesten besiedelten Regionen befindet.


    Heisingen

    Das erste Mal wurde Heisingen 796 als Heissi-Wald erwähnt. Es wurde dem Abt von Werden, dem heiligen Ludgerus, geschenkt. Sicher ist auch, dass sowohl die Sachsen als auch die Franken ein Auge auf das Dorf geworfen hatten. Und zeitweise verlief die Grenze inmitten des Dorfes. „Hof Kofeld“ wurde aus diesem Grund so befestigt, dass man später nur von der „Burg“ sprach. Heute ist die Burg beliebtes Ausflugsziel und beherbergt die wohl attraktivsten Sozialwohnungen der Stadt.

    Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts war hier die Landwirtschaft die erste Einnahmequelle. Dann entdeckten die Bauern die schwarzen Steine, die erstklassig brannten, und betrieben nebenbei Bergbau. Aus Erdlöchern wurden Stollen, und bald waren die Heisinger Hügel durchlöchert. Mit dem Bergbau ging es immer weiter aufwärts. 1954 waren auf „Carl Funke“ 2.450 Menschen beschäftigt. Von 1910 bis 1929 war Heisingen sogar eine selbständige Gemeinde.

    Heute zählt Heisingen zu einem der beliebtesten Stadtteile. Hügel, Wälder, ein schönes Seeufer mit eigenen Yachthäfen, all das macht Heisingen aus. 1983 gründete sich hier die Heisinger Bürgerschaft, die an alte Traditionen anknüpfen wollte. Gerade die neu zugezogenen Bürger sollten sich so mehr mit ihrem schönen Stück Essen identifizieren. Heute ist das auch so, denn Heisingen ist mehr als nur eine schöne Schlafstadt, und das obwohl die meisten Heisinger nach wie vor ihren Arbeitsplatz außerhalb Heisingens haben.


    Kettwig

    Zum ersten Mal erwähnt wurde Kettwig bereits im Jahr 1000. Die St.-Petrus-Kirche am Markt wurde 799 gegründet. 1276 wurde das Schloss Landsberg erbaut, Raubritter Eberhard von Oefte 1391 in Köln geköpft und in Laupendahl 1585 die erste Kohlengrube erwähnt. Im Jahr 1720 öffnete die Weberei Scheidt ihre Pforten, und Kettwig erlebte einen Aufstieg als Tuchmacherstadt bis Scheidt im Jahre 1968 schloss.

    Heute hat Kettwig 17.816 Einwohner und Stadtteile im Stadtteil – Auf der Höhe, Ickten, Laupendahl und Oefte. Gerne zählen die Kettwiger auch Mintard, das eigentlich zu Mülheim und Isenbügel, das eigentlich zu Heiligenhaus gehört, zu ihrem Ort. Denn beide Orte haben die Kettwiger Vorwahl und sind somit quasi „eingemeindet“.

    Das Wort Eingemeindung ist für die Kettwiger immer noch ein Reizwort. 1975 haben sich die Kettwiger mit allen Mitteln gegen die Eingemeindung nach Essen gewehrt.

    Heute hat Kettwig eine der wohl schönsten Altstädte mit einer feinen Einkaufsmeile, wo sich gerne neue Geschäfte ansiedeln. Vor allem die Gastronomie lebt in Kettwig. Mit Angeboten vom Sternekoch bis zur Imbissbude ist Kettwig ein Mekka für Gourmets.

    Zu meckern hat der Kettwiger rein gar nichts. Man kennt sich untereinander, der Ort bietet mehr, als andere zu bieten haben, und in Kettwig zu wohnen ist pure Erholung.


    Kupferdreh

    „Den Kupferdreher“ an sich gibt es gar nicht. Ende des 19. Jahrhunderts kamen die Gemeinden Hinsbeck, Dilldorf, Rodberg, Vossnacken und Byfang auf preußische Order zusammen. Der Hinsbecker mutierte zum Kupferdreher, der dem Ort den Namen gab. Der Dilldorfer blieb, wo er war und vereinnahmte die Rodberger und die Voßnacker. Byfang wurde ein eigener Stadtteil. Kupferdreh war immer Grenzgebiet. Es teilte Sachsen von Franken, Rheinland von Westfalen und Dilldorf von Kupferdreh. Noch heute sagen die Dilldorfer: „Ich gehe mal eben nach Kupferdreh“.

    Verborgen hinter einem Industriegebiet liegt der Baldeneysee. Am Wochenende finden sich hier Spaziergänger und Wassersportler ein. Dann meiden die Einheimischen ihren See. Beliebtes Ausflugsziel ist auch die Hespertalbahn. Die privat betriebene Museumsbahn startet am ehemaligen Königlich-Preußischen Bahnhof Kupferdreh, der heute liebevoll restauriert das „Lukas“ beherbergt.

    Bekannt ist Kupferdreh auch für seinen Rosenmontagszug, den ältesten in Essen. Rund 100.000 Närrinnen und Narren pilgern jährlich hierhin. Ohnehin gibt es viel Sehenswertes in Kupferdreh.

    Kupferdreh hat eine gute Zukunft. Nicht zuletzt wegen seines bürgerschaftlichen Engagements und intakten Vereinslebens, das sich zuletzt beim Erhalt des Hallenbades gezeigt hat. Die Schließung war schon beschlossene Sache, da mischten sich die Kupferdreher ein und betrieben das Bad kurzerhand in Eigenregie weiter.


    Rellinghausen

    Mit 3787 Einwohnern ist Rellinghausen einer der kleinsten Stadtteile Essens. Die Geschichte lässt sich nicht in drei Sätzen abhandeln. Hier gründete die einflussreiche Äbtissin Mathilde das Stift für Töchter aus dem niedrigen Adel. Das Stift wurde zum Zufluchtsort für so manche unverheiratete Dame aus dem verarmten Adel.

    Im 14. Jahrhundert entstand das Brauhaus. Bierbrauen war einst das Vorrecht der Landesherren, und jeder Bürger konnte gegen Entrichtung eines Entgelts sein Bier im Brauhaus brauen. Das Brauhaus verlor seine Bedeutung, als das Stift die Braulizenz an die Wirte verkaufte. Heute ist das Brauhaus das Pfarrheim der Gemeinde St. Lambertus.

    Im Schloss Schellenberg war die Familie Vittinghoff-Schell ansässig. Sie hatte die Wasserburg im Jahr 1452 übernommen. Das Schloss Schellenberg wurde zuletzt von der Polizei als Fortbildungszentrum genutzt.

    Im Herzen Rellinghausens steht der Blücherturm, der heute als Ausstellungsraum dient. Er wurde 1567 erbaut und war Schauplatz von Hexenprozessen und Hinrichtungen.

    Heute leben in Rellinghausen gerne junge Familien, und der einheimische Wald zieht viele Spaziergänger an. Religiöses Leben findet hier immer noch statt. So wird jedes Jahr im Sommer das Annenfest mit mehreren Prozessionen zelebriert, das an den Hostienraub von 1516 erinnern soll.

    Aber auch Sorgen lasten auf dem Stadtteil. Immer mehr alteingesessene Familienbetriebe schließen. Die Frankenstraße erstickt in Verkehr, Lärm und Abgasen.

    Und doch ist die Geschichte, die den Charme des Stadtteils ausmacht, überall sichtbar. Kopfsteinpflaster, Fachwerkhäuser, alte gemütliche Kneipen mit Tradition und viele Denkmäler prägen den Stadtteil.


    Rüttenscheid

    Rüttenscheid mit seiner Rü, gilt als die heimliche Innenstadt von Essen. Zumindest abends stimmt das. Hier findet das Leben statt. Hier bummelt man von Kneipe zu Kneipe und genießt vom edlen Mehrgangmenü bis zur einfachen Pizza alles.

    Wer einmal in Rüttenscheid wohnt, zieht so schnell auch nicht mehr weg. Es gab Zeiten, da war der Besitz einer Altbauwohnung mit Stuck die beste Altersversorgung. Der Ort hat bis heute Kultcharakter. Hier findet man edle Antiquitätenläden, und hier gibt es die höchste Galeriedichte in Nordrhein-Westfalen. Leere Geschäfte sieht man selten. Viele Läden sind alteingesessen und werden heute in der dritten und vierten Generation als Familienbetrieb geführt.

    Richtung Süden, im Girardet, wo einst die gleichnamige große Druckerei ihr Domizil hatte, operieren heute Ärzte, leben Senioren und besuchen Kinder ihre Kita. Eine Kleinkunstbühne und ein breites Gastronomie- und Unterhaltungsangebot ziehen Abend für Abend Besucherströme an. Die Messe Essen zählt mittlerweile zu den 20 größten Europas, und mit der Equitana, der Motor-Show zahllosen Kongressen und Veranstaltungen ist sie Publikumsmagnet und lockt Millionen von Besuchern aus aller Welt an.

    Die Rüttenscheider haben aber nicht nur eine der besten Messen. Sie haben mit dem Krupp-Krankenhaus auch eine der besten Kliniken im ganzen Land.

    Und die Rüttenscheider haben mit dem Grugapark eine der schönsten Parkanlagen bundesweit. Der botanische Garten sucht seinesgleichen. Weit über 120 Millionen Besucher haben den Park schon gesehen und dort Erholung vom grauen Alltag gefunden.

    Nachteile? Bis auf die ewige Parkplatznot und dem damit verbundenen Ärger zwischen Anwohnern und Besuchern ist nichts bekannt.


    Schuir

    1600 Menschen, sanft geschwungene Hügel, goldgelb blühende Rapsfelder, Pferdekoppeln, Waldstücke und geschlungene Wege: Das ist Schuir, eine romantische Oase mitten im Ruhrgebiet.

    Seit 800, als sich hier die Mönche niederließen, hat Schuir nichts von seinem einzigartigen Charme verloren. Von den mächtigen Mönchen zeugt heute noch Haus Schuir, das Abt Bernhard II. im Jahre 1792 errichten ließ.

    Die Ortschaft existiert bereits seit 1200 Jahren, deren alte Bezeichnung Herrschaft Walleney lautet. Noch heute gibt es die Höfe Unter- und Oberwalleney, die so alt sind wie die Stadt Essen.

    Schuir heute, dass sind Bauern- und Reiterhöfe, Straußenfarm, aber auch Walter-Hohmann-Sternwarte, Karstadt-Quelle-Hauptverwaltung, Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern der hl. Elisabeth, Landesumwelt- und Wetteramt sowie die Galerie 20/21 an der Meisenburg.

    Schuir ist und bleibt ein unverwechselbares Stück Erde. Wer hier einmal sein Zuhause gefunden hat, den zieht es nicht mehr weg.


    Stadtwald

    Hier ist der Name Programm. Die Grünflächen und Naherholungsgebiete sind unübersehbar. Doch Stadtwald ist mehr als nur Wald. Gut leben kann man hier. Reizvolle Siedlungen prägen das Bild des Stadtteils. Dabei hat die Bautätigkeit erst recht spät begonnen. Lange prägten Weizenfelder das Bild des Stadtteils, der die Kornkammer für die Stiftsdamen war.

    Viele junge Familien leben heute in Stadtwald. Daneben viele Ältere, alt Eingessene. Und es funktioniert gut. Getrennt wird der Stadtteil lediglich durch die Frankenstraße, der Hauptverkehrsader der Stadtteils.

    Stadtwald ist heute der klassische Wohnstadtteil. Schnell ist man bei Bedarf in Rüttenscheid, Werden, der Innenstadt oder am Baldeneysee.

    Stadtwald ist einfach ein idyllischer und dennoch zentraler Stadtteil. Doch bei aller Idylle und Beschaulichkeit sorgte die Großbaustelle am Stadtwaldplatz für Umsatzrückgänge bei den Einzelhändlern, Lärm, Dreck und vor allem viel Ärger. Doch auch das hat nun sein Ende gefunden, und so kann das Leben weitergehen.


    Überruhr-Hinsel

    In Hinsel schlägt das Trinkwasserherz der Stadt. Bis 1960 war Hinsel stark ländlich geprägt. Dann wurde es als Wohnstadt entdeckt. Nach und nach ging der eher ländliche Charakter des Stadtteils verloren. Viele Urhinseler bedauern das.

    Und dennoch zeigt sich Hinsel noch an vielen Stellen von seiner ursprünglichen, dörflichen Seite. Das Einkaufszentrum hat dabei die Funktion des Dorfplatzes übernommen. Besonders an den Markttagen trifft man sich gerne hier. Und auch die vielen Eigenheime haben für eine enge Nachbarschaft gesorgt. Anonym geht es hier wirklich nicht zu.

    Zwar fehlt ein Jugendzentrum, doch können die Kinder in Hinsel noch unbesorgt in ihren Quartieren auf der Straße spielen. Das macht Hinsel gerade für junge Familien so interessant. Der Ludwig-Kessing-Park, ein Wäldchen, die Felder, die Nähe zum Ruhrtal und die doch zentrale Lage machen Hinsel für viele zu einer attraktiven Wohn- und Schlafstadt.


    Überruhr-Holthausen

    Zum ersten Mal wird Holthausen im Jahre 1354 erwähnt. Begonnen hat alles mit Wiesen, Feldern, Wäldern und einer hügeligen Landschaft. Holthausen muss damals, vor der Industrialisierung, ein wirklich kleines und beschauliches Örtchen gewesen sein.

    Mit der Zeche Mönkhoffsbank beginnt auch in Holthausen 1673 das Zechenzeitalter. Nur unwesentlich weiter stand mit der Zeche Heinrich der größere Bruder. An der Ruhr findet sich mit dem Holteyer Hafen von 1837 ein Dokument für den Beginn der Industrialisierung des Ruhrgebietes. Im Rahmannshof, einst Heimat der Grubenpferde, gibt es heute ein Gestüt wertvoller Sport- und Zuchtpferde. Vom Hof im Deipenbecktal aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts sind noch das Fachwerkhaus und das Wirtschaftsgebäude aus Bruchstein erhalten.

    Bis zum Jahre 1874 gehört Holthausen ebenso wie Hinsel zu Rellinghausen. Doch das rasante Bevölkerungswachstum macht die Gründung der selbstständigen Gemeinde Überruhr notwendig. Acht Jahre später erhält Holthausen mit der evangelischen Stephanuskirche sein eigenes Gotteshaus.

    Die dörfliche Beschaulichkeit hat der Stadtteil spätestens mit der Errichtung der zwölfgeschossigen Bauten am Bulkersteig verloren. Und die Einheimischen wissen durchaus von Problemen zu berichten. So fehlt es zum Beispiel an geeigneten Freizeitangeboten für Jugendliche. Handlungsbedarf besteht auch rund um den „Roten Platz“. Hier stehen etliche Geschäfte leer.

    Doch es gibt auch Zeichen des Aufbruchs. Neue Einfamilienhäuser wurden am Hinseler- und am Hemmerhof gebaut. Eine weitere Siedlung ist an der Klapperstraße geplant. Immer mehr neue Leute zieht es nach Holthausen. Das lässt hoffen für die Zukunft.


    Werden

    Im Jahre 799 erwirbt Liudger Grundbesitz in Werden und errichtet die erste Abteikirche. Er stirbt 809 und wird in Werden beigesetzt. 1317 werden die Werdener Stadtrechte erstmals erwähnt. Damit ist Werden 50 Jahre älter als Essen selber. Die Eingemeindung wird 1929 beschlossen. 1757 beginnt die Tuchmacherindustrie in Werden. 1803 werden die Feintuchwerke AG gegründet, die größte Tuchfabrik Werdens, die 1964 geschlossen wurde.

    Werden wird auch die „die Perle an der Ruhr“ oder „das Venedig des Nordens“ genannt, wenn Werdener von ihrem Ortsteil schwärmen. Werden hat sich immer einen eigenständigen Ortskern bewahrt.

    Die Werdener begrüßen diese Selbstständigkeit. Es gibt eine reizvolle Altstadt mit kleinen Boutiquen, Galerien und „echten einheimischen“ Einzelhändlern. Durch das Flair und die schöne Lage zählt Werden sicherlich zu den attraktivsten Stadtteilen in Essen. Inmitten des größten europäischen Ballungsraumes hat sich Werden seinen eigenen Charakter bewahrt.

    Mit Erfolg wehrten sich die Werdener gegen eine Bebauung an der Grenze zu Heidhausen. Hier sollten 280 neue Wohneinheiten entstehen. Zu viele Grünflächen wären verloren gegangen und das Verkehrsaufkommen wäre nicht aufzufangen gewesen.

    Gerade das Thema Verkehr ist ein immer wiederkehrender Streitpunkt. Das ewige Nadelöhr im Zentrum Werdens ist ein Dauerbrenner – bis heute wurde noch keine Lösung gefunden.

    Nach dem Untergang der Tuchmacherindustrie haben sich in Werden zwischenzeitlich drei neue Gewerbegebiete angesiedelt. In Werden hat auch das Land kräftig investiert. Zur Zeit wird der Preußenflügel der Folkwang-Hochschule renoviert. Für die 700 Schülerinnen der Marienschule steht möglicherweise bald ein Umzug zum Porthofplatz an. Die bisherigen Räume sind zu klein geworden.